Zeit sparen durch Speedreading

Um beruflich weiterzukommen, sollte man mit viel Fleiß und Disziplin ins Studium starten. Da ein Fernstudium meist auch unweigerlich doppelte Belastung bedeutet, ist ein stringenter Lernplan unabdingbar. Aber kleine Tricks und Kniffe können helfen, den Zeitaufwand zu verringern.

Wie viel Zeit würde man sparen, wenn man sein Lernmaterial schneller durcharbeiten könnte? Die sechsfache Weltmeisterin im Speedreading, Anne Jones, behauptet beispielsweise, dass sie einen Harry Potter Band mit 600 Seiten innerhalb von 47 Minuten lesen kann. Das sogenannte „Speedreading“ ist nicht nur ein neumodischer Zeitvertreib sondern auch eine seriöse Disziplin, die das Lernen bereichern kann. Die Nachfrage nach „SchnellleseSeminaren“ hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt, auch als Reaktion auf eine schnelllebige Arbeitsmoral und immerwährende Erreichbarkeit. Auch Hochschulprofessoren legen ihren Studierenden nahe Schnelllese-Techniken zu erlernen, um das Studienpensum im Bachelor und Master auszugleichen.

Schneller_lesen

#62352303 – © evgenyatamanenko

Wie funktioniert das schnelle Lesen?

Den derzeitigen Weltrekord hält der Amerikaner Sean Adam mit 3.850 Wörtern pro Minute. Zum Vergleich: die Geschwindigkeit eines normalen Lesers beträgt 100-400 Wörter pro Minute. Sie ist allerdings auch von der Komplexität des Textes und der Lesekompetenz abhängig. Normalerweise bilden Menschen Wörter aus einzelnen Buchstaben bis sie in der Lage sind ganze Wörter oder Wortgruppen zu erfassen. Je größer diese Kompetenz, desto schneller auch das Lesetempo. Das Speedreading teilt sich in zwei Phasen auf:

  1. Phase: Das Gehirn wird darauf vorbereitet, neue Informationen aufzunehmen.
  2. Phase: Die neuen Informationen werden aufgenommen.

Eine weitere These aus der Leseforschung: Wenn wir einen Text zweimal durchlesen, wissen wir mehr vom Text, als wenn wir ihn nur einmal zu Gemüte führen. Der Grund: Das Gehirn speichert Informationen in Netzen ab. Je mehr eine Person weiß, desto dichter ist dementsprechend auch das Wissensnetz. Durchs „Scimming“ lassen sich so neue Informationen in ein vorhandenes Wissensnetz einbauen. Je mehr Wissen vorhanden ist, desto dichter ist auch das Wissensnetz. „Scimmen“ bezeichnet den Vorgang, den Text in Höchstgeschwindigkeit zu überfliegen. Bekanntes, wird durch bestehende Wissensnetze aktiviert und das Gehirn kann die Informationen besonders leicht speichern.

Deswegen gilt: Der Leser weiß am meisten vom Text wenn er ihn für jeweils 10 Minuten zweimal durchliest. Beim ersten Lesen „erkennt“ man die Begriffe, beim zweiten Lesen werden die Begriffe vollständig verankert und das Gehirn ist bereit für die Aufnahme neuer Informationen.

Grundlegend hemmt der Anspruch, wissenschaftliche Texte nach einmaligen lesen vollständig zu verstehen, den Leser am Scimming-Prozess. Damit hat auch eine körperliche Tempobremse zu tun: das Auge springt im Text zurück sobald ein schwieriges Wort auftaucht. Das kann nämlich nicht auf Anhieb erkannt oder verarbeitet werden. Bei der durchschnittlichen Länge eines Romans kostet uns das in der Regel anderthalb Stunden Lesestoff. Dem wollte auch der Erfinder des Schnell-Lese-Methode, Toy Buzan, in den 70er Jahren, entgegenwirken und entwickelte Techniken, um die eigne Lesegeschwindigkeit zu optimieren. Die Techniken fürs Schnelllese-Verfahren sind vielfältig und nicht jede Methode steigert auch tatsächlich die Effizienz. Zu den bekanntesten Maßnahmen zählen folgende Übungen:

  1. Blickspanne erweitern
    Die Blickspanne lässt sich durch folgende Übung erweitern: ein Wort auf eine Karteikarte schreiben, diese schnell zudecken und beim Aufdecken (max. 2 Sekunden) versuchen, das Wort zu erkennen. Die Übung erhöht die Anzahl der Fixiationspunkte und definiert damit den Unterschied zwischen langsamen und schnellen Lesen.
  2. Seltener AugenPausen einlegen
    Um konzentriert vorwärts zu lesen und sein Auge von einem Rücksprung im Text zu bewahren, sollte man nur bei vorgegebenen Punkten mit dem Auge stoppen.

Wendet man die Techniken richtig an, können versierte Schnelleser bis zu 90 Prozent des Inhalts aufnehmen während durchschnittliche Leser lediglich 55 Prozent registrieren.

Einfach als App: Die Spritz-Revolution

Mittlerweile gibt es auch schon zahlreiche Apps die das Speedreading im privaten Bereich optimieren. Gerade seit 2014 auf dem Markt: die Schnelllese-App „Spritz“ verspricht das Lesetempo kontinuierlich zu steigern. „Es ist auf jeden Fall möglich, die natürliche Lesegeschwindigkeit um 40 oder 100 Prozent zu erhöhen, eventuell auch etwas mehr, ohne dass das Verständnis zusammenbricht“, bekräftigt Ralph Radach von der Bergischen Universität Wuppertal in einem Interview.

Eine wichtige Spritz-Übung, die eine Steigerung der Lesegeschwindigkeit verspricht: Der Text wird in einzelne Wörter zerlegt und blendet diese in schneller Abfolge in einem Fenster ein. Damit wandert der Blick nicht durch den Text und wird vor einem möglichen Rücksprung im Text bewahrt. Das Verfahren verspricht die Lesegeschwindigkeit positiv zu beeinflussen. Das Auge muss sozusagen nicht mehr von Wort zu Wort springen sondern verharrt immer auf der gleichen Stelle. Mit der App lassen sich vor allem Eilmeldungen und E-Mails im hohen Tempo lesen, für längere Texte ist sie allerdings nicht geeignet.

Wer sich dazu entscheidet, an seinen Lesetechniken zu feilen, dem bieten Seminare optimale Weiterbildungsmöglichkeiten. Weitere Informationen zum Thema finden Interessierte außerdem auf der offiziellen Seite der deutschen Gesellschaft für Schnell-Lesen.