Schwerstes Studium – Persönliche Einschätzung oder unverrückbare Tatsache?

Zum Thema Fernstudium werden viele Fragen gestellt, doch eine Frage scheint für viele Studieninteressierte entscheidender zu sein alle anderen: Welches Studium gilt als schwerstes Studium? Die Frage nach dem schwersten Studienfach bewegt die Gemüter und führt bisweilen gerade zwischen angehenden Juristen und zukünftigen Ingenieuren zu hitzigen Wortgefechten. Doch was genau macht ein Studium eigentlich schwierig? Hängt der Schwierigkeitsgrad vielleicht eher von den persönlichen Neigungen als vom Fach selbst ab? Oder sind tatsächlich manche Studienfächer schwieriger als andere? Wir haben die Antworten!

Jura, Maschinenbau oder Psychologie – Welches ist das schwerste Studium?

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Das Ringen um die Beantwortung der Frage, welches Fach das schwerste Studium ist, gleicht in manchen Fällen einem Glaubenskampf. Dennoch sollen hier einige Studienfächer vorgestellt werden, die als besonders schwierig gelten:

  1. Jura
    Nach wie vor beinahe unangefochten gilt Jura als eines der schwersten Studienfächer überhaupt. Durch das Lernen der verschiedenen Rechtsbegriffe, unterschiedlicher Theorien und schlussendlich auch durch den Gutachtenstil ist ein Jurastudium mit Sicherheit sehr zeitaufwendig. Auch das Lernpensum ist sehr hoch, selbst wenn vieles „nur“ auswendig gelernt werden muss. Gerade Auswendiglernen kann sehr trocken sein. Doch spätestens in der Klausur ein Gutachten schreiben zu müssen, in dem die verinnerlichten Begriffe und Theorien auf den speziellen Fall angewendet werden müssen, ist für viele Studenten die größte Hürde. Hinzu kommt, dass angehenden Juristen eine gute Argumentationsfähigkeit abverlangt wird. Nicht umsonst sind die Durchfallquoten in den Prüfungen sehr hoch. Doch nicht nur die Inhalte, auch die Prüfungsbedingungen setzen vielen Studierenden zu: Allein für die beiden Staatsexamen fallen insgesamt 19 fünfstündige Klausuren an.
  2. Medizin
    Der zweite Aspirant auf den Titel „schwerstes Studium“ ist Medizin. In vielen Köpfen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass 90% der Medizin-Studenten auf Ritalin seien, um das Studium überhaupt zu schaffen. Sicherlich birgt auch dieses Märchen ein Funken Wahrheit in sich. Doch primär kommt diese Behauptung zustande, weil das Lernpensum eines Medizinstudiums einfach sehr hoch ist. Wer nicht von vorneherein sehr diszipliniert und organisiert ist, scheitert schnell an der Fülle des Lehrstoffes. Neben der Menge an Stoff kommt hinzu, dass die Lernfelder sehr breit gefächert sind. Anatomie, Bio-Chemie, Physik – all das und mehr müssen Medizinstudenten beherrschen, um schließlich die Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen. Für viele liegt genau in dieser breiten Palette an Inhalten schon die größte Schwierigkeit. Später kommen die Praxiszeiten dazu, in denen die Studenten mit dem stressigen Alltag eines Arztes konfrontiert werden. Spätestens hier entscheidet sich für viele, ob sie ihre Profession gefunden haben oder sich doch noch einmal umorientieren.
  3. Pharmazie
    Noch härter als das Medizinstudium ist das Pharmaziestudium. Es gilt als eines der anspruchsvollsten und schwierigsten Studiengänge Deutschlands. Selbst ehemalige Medizinstudenten geben zu, dass Pharmakologie eines der schwersten Fächer während des Studiums war. Sogar Studenten der Pharmazie, die eine Vorausbildung zum Pharmazeutisch-Technischen-Assistenten genossen haben, haben im anschließenden Studium Schwierigkeiten oder scheitern sogar. Uni-Tage, die erst um 18 Uhr enden, sowie Vor- und Nachbereitungszeiten von vier bis fünf Stunden täglich sind keine Seltenheit. Viele Studenten klagen, dass die Regelstudienzeit niemals ausreiche, um das Studium erfolgreich zu beenden. Es erfordert nicht nur Disziplin und Ausdauer, um das Studium zu meistern, für die Laborarbeiten werden auch Geduld und Geschick benötigt. Allerdings liegt die Abbruchquote unter zehn Prozent. Der große praktische Anteil im Studium motiviert die meisten Pharmaziestudenten, sich durch die harte Schule zu kämpfen.
  4. Psychologie
    Auch Psychologiestudenten beanspruchen für sich, das härteste Studium Deutschlands zu absolvieren. Das könnte durchaus daran liegen, dass viele Studierende mit einer falschen Vorstellung an das Fach herangehen: Psychologie ist eben keine Geisteswissenschaft, sondern eine empirische Wissenschaft, der Anteil an Statistik-Veranstaltungen ist sehr hoch. Deshalb sind gerade die ersten Semester sehr schwierig für junge Studenten. Auch die eher abstrakten Theorien gestalten das Studium nicht einfacher. Für einige Studierende kommt die Fremdsprachenhürde hinzu, denn im Psychologiestudium wird viel englische Fachliteratur verwendet. Insgesamt berichten viele Studenten des Studiengangs von einem Arbeitsaufwand, der durchaus 70 bis 80 Stunden pro Woche betragen kann.
  5. Maschinenbau
    Last, but not least fallen auch Ingenieursstudiengänge wie Maschinenbau in das Ranking des schwersten Studiengangs. Sehr hohe Durchfall- und Abbruchquoten sind meist die ersten Infos, die Studieninteressierte zu Ingenieursstudiengängen finden. Die Schwierigkeit für viele liegt darin, dass verschiedenste Teilgebiete der Mathematik, der Physik und anderer Naturwissenschaften erlernt werden müssen, die in Beziehung zueinander gesetzt werden müssen. Zusammenhänge und Hintergründe müssen verstanden werden, um sie anzuwenden. Hier scheint vor allem die Mathematik das größte Hindernis darzustellen, denn viele junge Studenten brechen das Studium aufgrund der Mathematikkurse ab. Um dem entgegen zu wirken, bauen viele Universitäten inzwischen auf Intensiv-Kurse, um Defizite von vorne herein abzubauen. Hinzu kommt, dass die ersten Semester des Studiums sehr theoretisch sind. Ein weiterer Faktor ist die hohe Arbeitsbelastung, die ein gutes Zeit- und Arbeitsmanagement erfordert. Neben dem Studium noch zu jobben ist für viele Studenten der Ingenieurswissenschaften nahezu unmöglich. Damit befinden sie sich in guter Gesellschaft mit den Studenten der vorangegangenen Studiengänge.

Individuelle Faktoren können aus jedem Fach das schwerste Studium machen

An sich muss festgehalten werden, dass die Frage „Welches ist der schwerste Studiengang?“ immer eine recht subjektive Antwort herausfordert. Auch die Studienabbruchquoten, die vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung herausgegeben werden, sagen für sich genommen nichts über das schwerste Studienfach aus. Denn die Wahl des härtesten Studiums hängt sehr von individuellen Neigungen und Begabungen ab. Ein Studiengang, der den persönlichen Talenten und Interessen gar nicht entspricht, ist gleich viel schwerer.

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Ein weiterer Faktor ist auch das erbrachte Engagement – wer von Beginn an viel Zeit und Mühe in sein Studium investiert, empfindet es im Laufe der Zeit als weniger schwierig. Auch wenn der hohe Zeitaufwand unbestritten ist. Außerdem können zu viel Druck und die falsche Motivation jedes Studium erheblich erschweren. Wer den Studiengang nur abschließen will, um anderen etwas zu beweisen und weniger um seiner selbst willen, empfindet das Studium ebenfalls viel anstrengender als es vielleicht in Wahrheit ist.

All diese Herausforderungen verlangen schon Vollzeitstudierenden eine Menge ab. Doch auch Fernstudenten haben damit zu kämpfen, vielleicht sogar noch mehr als Präsenzstudenten. Zusätzlich zu den anspruchsvollen Studieninhalten kommen ganz andere Faktoren erschwerend hinzu, wenn man Fernstudent ist. So ist häufig die Doppelbelastung aus Beruf und Studium ein großer Stressfaktor. Besonders nach stressigen Arbeitstagen braucht es viel Disziplin und Durchhaltevermögen, die geplante Lerneinheit nicht zu verschieben, sondern sich trotzdem an den Schreibtisch zu setzen. Auch das Familien- und Sozialleben neben dem Fernstudium nicht zu vernachlässigen ist eine große Herausforderung. Vor allem, wenn im Freundes- und Bekanntenkreis das Verständnis nicht allzu groß ist, kann es zu Schwierigkeiten kommen, wenn der Bar-Abend mit den Freunden zugunsten des Fernstudiums ausfallen muss. Der Zeitaufwand im Fernstudium darf nicht unterschätzt werden.

Wissenslücken oder fehlende Vorkenntnisse werden für viele Fernstudenten dann problematisch, wenn sie niemanden haben, mit dem sie sich austauschen können. Lediglich Foren oder Skype-Gruppen können die Lerngruppe vor Ort dann ersetzen. Hier kann es sinnvoll sein, sich im Vorhinein zu erkundigen, ob die gewählte Fern-Uni ein solches Angebot zur Verfügung stellt. Wer aus Schulzeiten Arbeitsgruppen gegenüber immer noch skeptisch ist, findet bei karrierebibel.de 15 Tipps für die gelungene Lerngruppe im Fernstudium. Wer auf Nummer sicher gehen will und sich seiner Wissenslücken bewusst ist, kann durch spezielle Lernbücher selbstständig Defizite aufholen, bevor das Studium losgeht. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass die Studieninhalte leichter zugänglich sind, sondern auch das selbstständige Lernen wird damit schon einmal erprobt.

Zeitaufwand im Fernstudium nicht unterschätzen

Um das Scheitern des Fernstudiums zu verhindern, ist es wichtig, sich die doppelte Arbeitsbelastung aus Studium und Beruf von vorneherein bewusst zu machen und entsprechende Maßnahmen zu treffen. So kann ein fester Zeitplan, in dem Lern- und Arbeitsphasen, die das Fernstudium betreffen, festgelegt werden, sehr helfen, das eigene Zeitmanagement nicht aus den Augen zu verlieren. Für die Zeit des Fernstudiums haben diese Phasen Priorität, auch wenn vielerlei andere Freizeitvergnügen sehr verlockend erscheinen. Besonders in stressigen Zeiten sollte man sich immer vor Augen halten, dass man ein Ziel hat, welches erreicht werden will.

Das individuell schwerste Studienfach kann dabei sowohl Anreiz als auch Motivationshindernis darstellen. Ein Portion gesunder Ehrgeiz kann in keinem Fall falsch sein. Nichtsdestotrotz sollte man sich auch Ruhepausen und Abwechslung gönnen. Wer sich nach Feierabend beispielsweise einen Spaziergang gönnt, kann viel erfrischter lernen als wenn man das Büro sofort gegen das eigene Arbeitszimmer eintauscht. Genauso wichtig kann es sein, kleine Erfolge zu feiern. Bestandene Prüfungen und erfolgreich absolvierte Semester dürfen gern mit Freunden und Bekannten begangen werden, auch ein Kurzurlaub als Belohnung ist häufig eine gute Idee. Wer sich durch solche Kleinigkeiten immer wieder neu motiviert, kann neue Lernphasen viel produktiver angehen. So ist auch das schwerste Studium für jeden zu meistern.