Was kann man mit Fachabitur studieren?

Während des ganzen Lebens und somit auch der schulischen Laufbahn sind Entscheidungen zu fällen. Spätestens in der zehnten Klasse denkt man darüber nach, wie es schulisch weitergeht und welchen Abschluss man anstreben möchte. Dabei ist vielen unklar, was die Vor- und Nachteile der verschiedenen Qualifikationen sind und welche Türen sie jeweils für die berufliche Zukunft öffnen. Soll es ein normales Abitur sein? Oder reicht am Ende doch das Fachabi?

Ist der Abschluss erst einmal in der Tasche, stellt sich die Frage: Sollte man studieren? Darf man mit seiner Qualifikation studieren? Und im Spezialfall: Was kann man überhaupt mit Fachabitur studieren? Die Suche nach dem passenden Studiengang oder der Uni ist dabei nicht immer einfach. Zahlreiche Sonderregelungen in den Bundesländern sorgen für zusätzliche Verwirrung. Im Folgenden werden die fachgebundene und die allgemeine Fachhochschulreife und die Möglichkeiten damit Zugang zu einer Hochschule oder Fernuni zu erlangen genauer beleuchtet und es werden dir alle Fragen um Abitur, Fachabitur und das Studieren an Fach- und normalen Hochschulen beantwortet.

Was ist das Fachabitur?

Studieren_mit_Fachabitur

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Die Fachhochschulreife, umgangssprachlich Fachabi, besteht allgemein aus einem schulischem und einem berufsbezogenen Teil.
Die Fachhochschulreife kann man mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen auf verschiedenen Wegen erlangen. Besonders häufige Schwerpunkte sind:

  • Pädagogik
  • Technik
  • Gestaltung
  • Wirtschaftswissenschaft
  • Informatik
  • Gesundheitswesen

Dabei hängt es von der jeweiligen Bildungseinrichtung ab, welche Schwerpunkte angeboten werden und ob es darüber hinaus noch Untergruppen und spezifischere Fachrichtungen gibt.
Das Fachabitur kann man, abhängig von den Vorgaben im jeweiligen Bundesland, zum Beispiel wie folgt erlangen:

  • Nach dreijähriger und erfolgreicher Ausbildung an einer Berufsschule, auf den Realschulabschluss aufbauend
  • Nach Beendigung des 12. Schuljahres einer höheren Schule, wie dem Gymnasium, der Gesamtschule oder Fachoberschule, in Kombination mit einem berufsbezogenem Praktikum
  • Mit einem Realschulabschluss und einer dreijährigen, abgeschlossenen Berufsausbildung

Aus dem Statistischen Jahrbuch 2013 des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass 2010 und 2011 jeweils über 140.000 Schüler die Hochschulreife erlangten.

Der Unterschied zur Allgemeinen Hochschulreife, umgangssprachlich (Voll-) Abi, liegt in der Qualität der Abschlüsse. Das Abitur ist der höchste Schulabschluss in Deutschland und berechtigt zum Studieren an allen Fachhochschulen, Universitäten und Berufsakademien bundesweit. Das Fachabitur gewährt nur Zulassung zu bestimmten Hochschulen.

Berechtigt ein Fachabitur zum Studium?

Das Fachabitur berechtigt in jedem Fall zum Zugang zu einer Fachhochschule, nicht jedoch automatisch zu einer Universität. In seltenen Fällen kommt es zu Zulassungen von Studienanwärtern mit Fachabitur an Universitäten. Die meisten verwehren die Möglichkeit einer Zulassung mit Fachabitur jedoch grundsätzlich. Das Fachabitur legt dafür eine gute Grundlage für das fachgebundene Studium. Das heißt, wenn das Fachabitur mit einem technischen Schwerpunkt absolviert wird, ist es von Vorteil, darauf aufbauend einen technischen Studiengang an einer Fachhochschule zu studieren.

Studium mit Fachabitur in den einzelnen Bundesländern

Da Bildung in Deutschland eine länderpolitische Angelegenheit ist, gibt es in allen deutschen Bundesländern unterschiedliche Vorgaben. Die Fachhochschulreife berechtigt in jedem Bundesland, soweit sie der internen Definition des Abschlusses entspricht, zu einem Studium jedes Studiengangs an einer Fachhochschule. In allen Bundesländern gibt es spezielle Eignungstests für Kunst- und Musikhochschulen sowie für Sportstudiengänge. Im Folgenden werden einige länderspezifische Regelungen aufgelistet.

  • Baden-Württemberg: Seit April 2014 ist es hier möglich, über die fachgebundene Hochschulreife an einer Universität zugelassen zu werden. Dies geschieht anhand eines Eignungsverfahrens und wird mit den Bewerbungen zum Wintersemester 2015/2016 umgesetzt.
  • Bayern, Brandenburg: Gewisse berufliche Qualifikationen ermöglichen hier den Zugang zu einer Uni, ganz ohne Hochschulreife überhaupt.
  • Hamburg: Hier kannst du beispielsweise auch mit einem abgeschlossenen Meister oder Fachwirt studieren. Diese berechtigen zum Zugang zu einem Bachelor-Studium.

Die meisten anderen Bundesländer verwehren den Zugang zu einer Universität mit der Fachhochschulreife. Im Vergleich zu Deutschland stellen besonders die Länder Hessen und Niedersachsen Ausnahmen dar.

Hessen und Niedersachsen: Fachabi-Studium an der Uni

  • Hessen: Hessen bietet die Möglichkeit mit der Fachhochschulreife an einer Universität zum Studium zugelassen zu werden. Dabei können sich Schulabgänger mit Fachabitur ausschließlich für Bachelor-Studiengänge an einer Universität einschreiben. Studiengänge, die mit einem Examen abschließen, wie etwa Jura oder Medizin können dagegen nur mit der Allgemeinen Hochschulreife studiert werden.
  • Niedersachsen: Man kann in Niedersachsen fachgebunden an vielen Universitäten auch mit Fachhochschulreife zugelassen werden. Das Fachabitur berechtigt hier seit 2010 zum Zugang zu allen Studiengängen der Fachrichtung an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen sowie bestimmten Bachelor-Studiengängen an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen. Hier ist es also fachgebunden!

Die Ausnahme der Ausnahme: Frankfurt

In Frankfurt verhält es sich im Gegensatz zu dem Rest von Hessen anders. Hier ist es nicht ausreichend Fachabitur als Abschluss vorzuweisen, um an der Uni Frankfurt zu studieren. Hier muss es das klassische „Abitur“ sein. Die Hochschulen in Frankfurt stehen aber jedem Fachabiturienten offen.

Ein Bachelorabschluss an einer Fachhochschule berechtigt zudem in den meisten Bundesländern zu einem Master-Studium an einer Universität.

Fachhochschule oder Universität?

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Fachhochschule oder Universität

Warum ist es überhaupt interessant mit Fachabi ein Studium an einer Universität anzustreben? Universitäten haben den Auftrag zu Forschen und zu Lehren und zeichnen sich deshalb vor allem durch ein theoretisches und wissenschaftliches Arbeiten aus. Tatsächlich ist der Bachelor-Abschluss einer Fachhochschule aber im Vergleich zu jenem an der Universität nicht minderwertig. Fachhochschulen arbeiten berufs- und praxisorientiert und bieten somit einen Einblick in konkrete Arbeitsfelder. Hier werden nicht nur Inhalte vermittelt, sondern auch praktische Arbeitsweisen.

Fernstudium mit Fachabitur?

Die Fachhochschulreife befugt zu einem Fernstudium. Auch hierfür gibt es bestimmte Zulassungskriterien.
Viele Fernuniversitäten haben identischen Voraussetzungen zur Zulassung mit Voll- und Fachabitur. Die Fernstudiengänge sind, ähnlich wie alle anderen Studiengängen an Präsenzhochschulen, vielfältig. Von Fotografie bis Jura ist alles möglich. Dabei kann man nicht nur ein Bachelor-Fernstudium an einer Fernuni absolvieren, sondern auch Master und Weiterbildungen machen.

Wo studieren?

Die drei bekanntesten Fernhochschulen in Deutschland sind die Fernuni Hagen, die Wilhelm Büchner Hochschule und die Hamburger Fernhochschule. Hier ist es grundsätzlich möglich, akademische Abschlüsse wie Bachelor und Master zu erlangen.

  • Fernuni Hagen: Die Fernuni Hagen hat ihren Hauptstandort im Ruhrgebiet, bietet jedoch weitere Anlaufstellen in Hamburg, Hannover, Bonn und Berlin an. Hier werden zahlreiche Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Weiterbildungen angeboten. Die Voraussetzungen, um zum Studium zugelassen zu werden, hängen dabei von den Studiengängen ab. So werden teilweise bestimmte Englisch- oder Mathekenntnisse oder die allgemeine Hochschulreife vorausgesetzt.
  • Wilhelm Büchner: Diese Fernhochschule hat elf Standorte in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Hier können Studenten vor Ort Prüfungen ablegen. Die Wilhelm Büchner Hochschule bietet die Option, mit Fachabitur Zugang zu fast allen Studiengängen zu erhalten.
  • Hamburger-FernHochschule: Diese Fernhochschule mit ihrem Hauptsitz in Hamburg ist eine der größten in Deutschland. Zugelassen wird man hier unter anderem mit Fachhochschulreife oder auch als Berufstätiger mit Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung.

Was kann man mit Fachabi an der Fernuni studieren?

Alle drei oben genannten Fernhochschulen haben eine große Bandbreite an verschiedenen Studiengängen. Die Fernuni Hagen ist mit vier Fakultäten sehr breit gefächert und bietet unter anderem Kulturwissenschaften, Mathematik oder Psychologie an. Die Wilhelm Büchner Hochschule hat einen technischen Schwerpunkt und bietet Studiengänge wie Informatik, Mechatronik oder Maschinenbau an. Die Hamburger Fernhochschule ist auf die Schwerpunkte Gesundheit und Pflege, Technik sowie Wirtschaft und Recht spezialisiert.

Und die Kosten für die Mühen?

Nahezu alle Fernhochschulen werden privat finanziert und bergen somit den Nachteil eines Studienbeitrags. Dieser liegt, je nach Fernhochschule und Studiengang zwischen 1800 Euro und 12.000 Euro für das gesamte Studium. Achtung: Einzelne Studiengänge können günstiger sein. Das ist bspw. dann der Fall, wenn das berufsbegleitende Fernstudium an der Fernuniversität Hagen absolviert wird. Also staatliche Fernhochschule sind die Kosten hier teilweise günstiger, als bei den privaten Fernuniversitäten. Dafür werden allerdings auch weniger Studiengänge angeboten. Für das Studium an einer privaten Hochschule kann aber auf staatliche Fördermittel oder Stipendien zurückgegriffen werden. Wichtig ist, sich im Vorfeld mit der Finanzierung des Fernstudiums auseinanderzusetzen.

Fazit: Studieren mit Fachabitur – Fernuni: Ja oder Nein?

Zusammenfassend lassen sich ein paar grundsätzliche Dinge zum Fachabitur-Studium festhalten.

  1. Das Fachabi berechtigt zum Fernstudium an einer Fernhochschule und an jeder Fachhochschule.
  2. Das Fachabitur berechtigt, jeden Studiengang an einer Fachhochschule zu studieren.
  3. Der Schwerpunkt des Fachabis bereitet auf gewisse Studiengänge der Fachhochschulen vor, ist aber nicht verbindlich.
  4. In Einzelfällen ist auch ein Universitätsstudium denkbar. In einigen Bundesländern geht das allerdings nur mit einem „normalen“ Abitur.
  5. Einige Studiengänge verlangen zusätzlich zum entsprechenden Abschluss Sprachkenntnisse, spezielle Eignungsprüfungen oder absolvierte Praktika.

Wer sein Fachabitur in der Tasche hat, hat also zahlreiche Möglichkeiten damit auch zu studieren und einen akademischen Abschluss zu erlangen. Die Wahl des Studiengangs und die Hochschule sollten in jedem Fall bestens geprüft werden.