Es gibt ein typisches Morgenszenario, das jeder Student mindestens einmal erlebt hat: Man hastet frühmorgens aus der Tür um sich einen guten Platz in der Vorlesung zu sichern, quetscht sich im Morgenverkehr in den Bus und schafft es, in letzter Minute irgendwie noch pünktlich in den Hörsaal zu schlittern. Das zumindest ist die klassische Vorstellung des deutschen Studenten: Ein wenig weltfremd, Langschläfer und eigentlich für jede Studentenbar am Dienstagabend zu haben. Und auch wenn es Studenten geben soll, die ihr Bachelor-Studium genau so verbringen und mit Erfolg beenden: Spätestens im Master-Studium reicht eine solche Einstellung nicht mehr aus!

Fernstudenten hingegen müssen doch ein deutlich einfacheres Leben haben? Denn sie stehen morgens auf, kaufen ihr Frühstück beim Bäcker gegenüber, klappen ihren Laptop auf und studieren. So stellt sich wahrscheinlich die Mehrheit den Morgen eines Fernstudenten vor. Das Eigenstudium und die damit verbundene Flexibilität bieten Raum den Tag individuell zu planen und sich ohne Zeitdruck seinen Studieninhalten zu widmen.

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Doch das ist längst nur eine Seite der Medaille: Die meisten Fernstudenten versuchen ihr Studium neben Arbeit und Familie in den Alltag zu integrieren. Morgens werden die Kinder zur Schule gebracht, danach geht’s direkt ins Büro und am Abend werden die Fernstudien-Materialien gesichtet. Laut einer Umfrage der IUBH gilt das Zeitmanagment im Fernstudium zu einem der zentralen Herausforderungen, denn der Großteil der eingeschriebenen Studenten absolviert ihr Studium berufsbegleitend. Damit sind die zeitlichen Ressourcen knapp und der Stress regelrecht vorprogrammiert. Allein 28 Prozent der Befragten geben an, durch die Mehrfachbelastung einen Studienabbruch in Erwägung zu ziehen. Doch es sind nicht nur Zeitdiebe, die die Zeitplanung für Fernstudenten erschweren, auch Stress hat einen großen Einfluss.

In erster Linie hat Stress zwar auch eine anregende Wirkung auf unsere Leistung, problematisch wird er nur, wenn er kein Ende nimmt. Wird Stress zu einem Dauerzustand, kann das schnell persönliche und gesundheitliche Konsequenzen mit sich ziehen. „Da kommt dann neben den äußeren Umständen auch die eigene Einstellung und Persönlichkeit mit ins Spiel. Wenn die Leute langfristig etwas gegen ihre Stressanfälligkeit machen wollen, wäre es gut, wenn sie an ihren persönlichen Einstellungen arbeiten“, erklärt Dr. Manfred Oetting in einem Interview.
Die eigene Einstellung als Stresskiller – das würde auch erklären, weshalb einige Fernstudenten ihren vollen Terminkalender mit spielerischer Leichtigkeit meistern: Sie können ihre Zeit einfach besser managen. Denn je effizienter Selbstdisziplin und Zeiteinteilung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, auch im Studium erfolgreich durchzustarten. Einzige Voraussetzungen sind Motivation und Wille, denn die Disziplin lässt sich nicht so einfach erlernen. „Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun“- das wusste schon Goethe.

Selbst- und Zeitmanagement leicht gemacht

Sicherlich kennst du das: Du fängst mit dem Lernen an, bist begeistert bei der Sache, dann lässt die Motivation nach, die Lern-Euphorie ebbt ab, Zeitdiebe schleichen sich ein und am Ende steht die Prüfung an. Wichtig ist: Um diesem Durcheinander vorzubeugen, musst du eigentlich nur ein paar kleine Tipps zur Zeitplanung und zum effektiven Selbstmanagement in deinen Alltag integrieren:

Kleine Ziele sind große Ziele

Mit dem Ziele setzten verhält es sich wie mit einer langen Wanderung. Es nützt nichts, zu sagen: „Ich werde Französisch lernen“. Das was zählt sind die kleinen Etappen, die zum Ziele führen. „Heute werde ich zwanzig Vokabeln lernen“ klingt damit schon viel effektiver. Sein Ziel in kleine Häppchen einzuteilen hat viele Vorteile. Du lässt dich nicht mehr von dem großen Berg Arbeit einschüchtern und kommst schneller ans Ziel.

Das klassische Zeitmanagement

Wer seine Etappenziele festgelegt hat, der sollte schleunigst einen Zeitplan erstellen, damit seine Pläne auch in die Tat umgesetzt werden können. Wenn du dich vom Konzept eines Zeitplans noch nicht überzeugen lässt, solltest du dir vor Augen führen, dass selbst der amerikanische Präsident Dwight David Eisenhower immer mit einem Zeitplan gearbeitet hat. Heute ist der ehemalige amerikanische Präsident Namenspatron der „Eisenhower-Prinzip“, mit welcher du deine Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit sortierst. Das bedeutet, du erfüllst zunächst wichtige Aufgaben und fährst dann mit einer Aufgabe fort, die eine geringere Dringlichkeit besitzt. Um die Übersicht zu behalten werden die Prioritäten nach den Buchstaben A, B und C geordnet. Das „Eisenhower-Prinzip“ hilft seit Jahrzehnten auch einflussreichen Person dabei, Prioritäten zu ordnen und effektiv zu arbeiten.

Die besten Zeitmanagement Tools aus dem Internet

Wem Papier und Stift nicht reichen, der kann sich auch virtuell nach einer Stütze für das Zeitmanagement im Fernstudium umschauen. Wir haben dir ein paar Beispiele zusammengestellt:

  • Evernote -von Recherchen bis hin zu langen Listen, Evernote kann am PC oder auf dem Tablet genutzt werden. Dabei kann frei nach dem Freemium-Prinzip zwischen einer kostenlosen, kostenpflichtigen oder Business-Variante wählen. Evernote bietet die Möglichkeit seine Notizen zu sammeln oder seine Daten sogar in einer Präsentation zusammenzufassen.
  • Excel – um deine Zeit virtuelle zu planen, kannst du auch ganz klassisch auf das Windows-Tool zurückgreifen. Besonders von Informatikern und Mathematikern wird Excel geschätzt: Durch die Programmiersprache „VBA“ lassen sich zahlreiche eiegnes Makros schreiben. Doch auch für Anfänger entpuppt sich Excel als echter Allrounder. In wenigen Schritten können komplexe To-Do Lists oder auch die monatliche Haushaltsplanung übersichtlich angelegt werden!
  • Mite – kann genutzt werden um Arbeitszeiten zu erfassen und kann dabei auch ganz einfach auf dem I-Phone abgerufen werden. Das Tool bietet sich an, wenn du mit Lernpartnern zusammenarbeitest. Ihr könnt beispielsweise Termine und Lernziele festlegen und seid via Mite immer auf dem neusten Stand, ganz ohne Kommunikationsprobleme.
  • workflowy – ist kostenlos zu erwerben. Durch verschiedene Ebenen und Tags können eigene Notizen erstellt und problemlos verschoben oder erweitert werden. Aufgrund des klassischen, neutralen Designs hat sich workflowy zu einem weltweiten Renner entwickelt. Viele Designer oder Agenturen integrieren das Tool bereits in ihren Arbeitsalltag.
  • Wunderlist – last but not least: die Wunderlist Applikation auf dem iPhone. Wunderlist wird bereits weltweit von mehreren Millionen Menschen als mobiles Notizbuch verwendet. Befürworter heben das einfache, intuitive Design hervor, dass es besonders einfach macht einen Überblick zu behalten. Die App ist kostenlos zu erwerben.

Mal vom Zeitplan abweichen und pausieren

Zwar ist es wichtig und förderlich sich strikt an seine Pläne und das eigene Zeitmanagement zu halten. Doch wie du es wohl schon aus dem Alltag kennst, läuft nicht immer alles nach Plan. Werden deine Pläne mal wieder von außen durcheinander gewirbelt. Die Pomodoro-Technik kann Abhilfe schaffen. Einst von Francesco Cirillo in den Achtzigerjahren entwickelt, impliziert die Methode die Einhaltung von kleinen Pausen um die geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern. Laut Cirillo sollen die Aufgaben immer im 25-Minuten-Rhythmus bearbeitet werden, im Anschluss aber mit einer fünfminütige Pause unterbrochen werden. Nach vier mal 25 Minuten folgt eine 30-minütige Pause.

Zeitmanagement durch Pausen also. Denn wer langfristig leistungsfähig und motiviert bleiben möchte kommt an dem Mix aus An-und Entspannung nicht vorbei. Die Pomodoro-Technik liefert durch die kurzen Zeitintervalle auch die beste Voraussetzung dafür, dass ungeplante Zwischenfälle nicht einen kompletten Plan durcheinander wirbeln.

Den Perfektionismus ablegen

Um seine Zeit-/Leistungsrelation zu optimieren, kann die Methode des italienischen Wirtschaftswissenschaftlers Vilfredo Pareto Wunder wirken. Im Vorfeld solltest du eine Prioritätenliste à la Eisenhower definieren um herauszufinden welche Kernaufgaben wichtig und welche Zeitverschwendung sind. Dabei gilt es, seinen Perfektionismus beiseite zu legen um sich dem Wesentlichen zu widmen. Laut Pareto werden nämlich nur 20 Prozent der Zeit dafür benötigt 80 Prozent der Arbeit zu verrichten. Die übergebliebene Zeit dient lediglich der Perfektionierung und Ausarbeitung.

Dass seine Theorie auch in der Praxis funktioniert, beweist Vilfredo Pareto selbst: Zunächst absolvierte er ein Studium zum Ingenieur am Polytechnikum Turin, anschließend zog es ihn als Wirtschaftswissenschaftler an die Universität Lausanne. Sein Wirken dort gilt als die Begründung der modernen Wohlfahrtsökonomik. Anschließend wandte sich Vilfredo Pareto dann noch der Soziologie zu. Alles in allem also drei Fachrichtungen, kaum möglich ohne ein effektives Zeitmanagement.

Der Mix macht’s

Um seine Leistungsfähigkeit vollständig auszuschöpfen solltest du dich im besten Fall nicht die ganze Zeit mit derselben Tätigkeit auseinandersetzten. Volle Konzentration ist nur 30-40 Minuten am Stück möglich. Ein Beispiel: Hast du dich eine halbe Stunde lang eingelesen, solltest du die nächsten zehn Minuten damit verbringen, das Erlernte zu notieren. Die Aufteilung in unterschiedliche Lernblöcke, steigert die Lernenergie effektiv!

Die perfekte Lernumgebung

Neben dem perfekten Zeitmanagement wird kaum ein Thema in Ratgebern so kontrovers diskutiert, wie die Frage nach der optimalen Lernumgebung. Auf der einen Seite werden chaotische Schreibtische als kreative Inspirationsquelle bezeichnet. Auf der anderen aber auch als Keimzelle des Chaos. „In erster Linie beeinflusst ein organisierter Arbeitsplatz die Arbeitszeit“, erklärt Karin Delsing von OrdnungsLiebe in einem Interview. Was für die Büroorganisation gilt, kann in diesem Fall auch fürs Fernstudium übernommen werden. Deine wichtigsten Lernpartner sind Laptop und Schreibtisch. Doch nur wer genug physischen Raum zum Lernen hat, kann seine Zeit auch wirkungsvoll nutzen.

Die Clean Desk Policy spart nicht nur Zeit, sondern ermöglicht, den Fokus auf das Wesentliche zu legen. Obwohl der aufgeräumte Schreibtisch meist an einen pedantischen Verwaltungsbeamten erinnern mag – die Reduktion aufs Nötigste hat klare Vorteile. Türmen sich die Zettel und Hefte nicht mehr reihenweise auf dem Tisch, können keine unnötigen Utensilien mehr vom Lerninhalt ablenken. Befürworter der Clean Desk Policy berichten davon, durch die Ordnung jeden Tag mit frischen Gedanken in den Studienalltag zu starten. Ein wichtiger Tipp für alle Fernstudenten: Um das Bestmöglichste aus deiner begrenzten Zeit herauszuholen, solltest du zunächst ein paar Minuten nach dem Lernen fürs gewissenhafte Sortieren einplanen. Nur so lässt es sich verhindern, unnötige Zeit mit Suchen zu verschwenden. Feste Ablageorte oder Ordner können deine Arbeit unterstützen.

Das klassische Studierzimmer?

Beim Studieren im eigenen Hause gilt: Ablenkung ausschalten. Wer die Regelung strikt befolgt, kann sich besser auf seine Unterlagen konzentrieren. Zeitdiebe sollten beseitigt werden: Handy ausschalten, E-Mails im Postfach ruhen lassen und die Zimmertüren schließen. Wer sich leicht durch Social Media ablenken lässt, kann seine Lerninhalte herunterladen und für eine bestimmte Zeit die Internetverbindung kappen. So entgeht man der Möglichkeit noch schnell etwas nachzuschauen oder sich eine kleine „Pause“ am Rechner zu gönnen. Wer seine absoluten Störfaktoren noch nicht gefunden hat: Ein kleines Zeit-Protokoll kann Aufschluss darüber bringen, welche Faktoren das Lernen beeinträchtigen. Dafür einfach über einige Tage jede Aktivität zeitlich erfassen und in eine Liste eintragen. Meist können die größten Zeitfresser so schon nach wenigen Tagen aufgespürt werden.

Zudem ist es vorteilhaft vertraute Lernorte aufzusuchen. Durch die Gewöhnung wird dem Gehirn signalisiert, dass Zeit zum Lernen ist. Wem es zu dröge erscheint tagtäglich in der Wohnung zu sitzen, der kann sein Home-Office auch nach draußen verlegen: Cafés, Bibliotheken, Buchhandlungen oder Co-Working-Spaces bieten sich auch als Lernorte an. Manchmal können zwei bis drei feste Lernorte schon für Abwechslung sorgen. Ein weiterer Vorteil: Häufig gibt es hier auch einen kostenlosen WLan-Zugang. Auch das ständige Hintergrundgeräusch – häufig als „White Noise“ bezeichnet – kann dabei helfen, effektiver zu lernen.

Ein kleiner Tipp zum Schluss – Gesund lernt es sich besser

Wie auch im normalem Studium gilt: Um effektiv zu lernen, helfen Kaffee und weitere Aufputschmittel nur bedingt. Die Prioritäten sollten stets auf ausreichen Schlaf und Pausen gelegt werden. Um das Erlernte zu verarbeiten, sollten regelmäßig Pausen eingelegt werden. Solche Verständnispausen dauern in der Regel 1-5 Minuten. Zwischenpausen von 15 bis 20 Minuten gönnen dem Kopf wohlverdiente Ruhepausen. Im Schlaf werden die Ereignisse des Tages im Gehirn rekapituliert. Um komplexe Inhalte zu verarbeiten, muss das Gehirn zunächst eine Tiefschlafphase durchschreiten, deshalb sind sieben bis acht Stunden Schlaf ein Muss! Ob du lieber morgens oder abends lernst, ist dabei individuell vom Lerntyp und biologischen Rhythmus abgängig. Einige Menschen sind morgens am leistungsfähigsten, andere sind es nachts. Neben dem regulären Schlaf fördert auch regelmäßiger Sport die Leistungsfähigkeit.