Schneller lernen mit der Loci Methode

Bereits in der Schule und in der Ausbildung hat jeder für sich Lernstrategien entwickelt, um sich Sachverhalte schnell und nachhaltig einzuprägen. Auch im Fernstudium werden diese wieder wichtig, gerade, wenn die Zeit zum Lernen knapp ist und man auf der Suche nach möglichst effektiven Methoden ist, um trotz der doppelten Belastung aus Beruf und Studium für die anstehenden Prüfungen gut gerüstet zu sein. Hilfreich sind in diesem Fall Methoden, die sich gut mit dem Alltag in Verbindung bringen lassen. Eine Möglichkeit, mit der man schnell lernen kann, ist die Loci Methode.

Routenmethode

Abbildung 1: © Fiedels – Fotolia.com

Ursprung der Methode

Der Legende nach geht die Loci Methode auf den Poeten Simonides von Keos zurück. Dieser war zu Gast auf einer Feier und als er diese kurz verließ, stürzte das Haus hinter ihm ein. Durch die Wucht des Einsturzes wurden die Körper der Gäste unkenntlich. Simonides musste rekonstruieren, wer auf der Feier gewesen war und wo sich die Körper der Anwesenden nach dem Einsturz etwa befinden müssten. Er visualisierte, wo sich die jeweiligen Personen befunden hatten, als er die Feier verließ und konnte so bei der Aufklärung der Identitäten helfen. Dabei stellte er fest, dass er sich umso besser an die Personen erinnern konnte, je besser er wusste, wo sie sich zum Zeitpunkt seines Verlassens aufgehalten hatten. Daraus folgerte er, dass das Gehirn Informationen besser behalten konnte, wenn diese Informationen an bestimmte Orte geknüpft waren. Die Loci Methode war geboren. Sehr schnell verbreitete sich diese Mnemotechnik unter griechischen und römischen Rednern. Sogar Cicero soll einmal angemerkt haben, dass er sich seine Reden besser merken konnte, indem er im Geiste die Umgebung des Forum Romanum abschritt.

Wie funktioniert die Loci Methode?

Inzwischen ist die Loci Methode auch als Routen-Methode bekannt. Der Clou ist, dass die zu merkenden Informationen an bestimmte Ankerpunkte eines Weges gekoppelt werden. Dieser Weg kann eine Route innerhalb eines Zimmers oder der eigenen Wohnung sein, aber auch der Arbeitsweg oder eine fiktive Route kann hierfür genutzt werden. Auf dem gewählten Weg werden nun die Informationen mithilfe von Bildern mit den verschiedenen Ankerpunkten verknüpft. Dabei gilt: Je absurder die Verknüpfungen sind, desto besser bleiben sie im Gedächtnis.

Für die Routen gibt es außer der räumlichen Variante auch die Möglichkeit, den eigenen Körper als Route zu benutzen. Dabei werden verschiedene Körperteile zu Ankerpunkten, bspw. der Kopf, die Brust, der Bauch, die Oberschenkel, die Knie und die Füße. Die Reihenfolge wird hierbei entweder auf- oder absteigend gewählt. Egal ob es die körperliche oder die räumliche Route ist, die gewählt wird: Die Reihenfolge der Ankerpunkte sollte in jedem Fall beibehalten werden. Die Anzahl der Ankerpunkte kann jedoch der Anzahl an zu merkenden Informationen angepasst werden.

Die Loci Methode lernen

Das Erlernen der Loci Methode ist in der Tat etwas mühsam, doch je öfter man sie anwendet, desto einfach fällt die Anwendung. Im Grunde wird die Loci Methode in vier Schritten erlernt:

  • Route festlegen: Man muss die Route, die genutzt werden soll, festlegen. Entweder wird also ein Rundgang durch die Wohnung festgelegt, der eigene Arbeitsweg wird visualisiert oder man erschafft sich eine fiktive, nur in der Vorstellung existierende Route.
  • Route visualisieren: Im Anschluss daran macht man sich mit der Route vertraut. Ist es ein real existierender Raum, sollte man den gewählten Weg so gut kennen, dass man ihn auch im Dunkeln problemlos abschreiten könnte. Bei einer fiktiv erdachten Route sollte einem jeder Zentimeter vertraut sein und auf Nachfrage sollte man für jeden Schritt die Entstehungsgeschichte genau wiedergeben können.
  • Ankerpunkte setzen: Nun müssen auf der gewählten Route die Ankerpunkte identifiziert beziehungsweise gewählt werden. Wichtig ist, dass diese Punkte möglichst einprägsam sind. Auf dem realen Arbeitsweg können das beispielsweise ein auffällig gestrichenes Haus, ein besonderer Briefkasten oder ein Lokal sein, das auf dem Weg liegt.
  • Bilder wählen: Abschließend werden nun die zu merkenden Informationen mit den Ankerpunkten verknüpft. Dabei sollte die Information immer mittels eines Bildes an den Ankerpunkt gekoppelt werden. Denn so werden Verbindungen zwischen den beiden Gehirnhälften hergestellt, die länger abrufbar sind. Wie bereits gesagt: Je absurder das Bild beziehungsweise die Verknüpfung zwischen Information und Ankerpunkt ist, desto einfacher erinnert man sich daran.

Eine Erweiterung dieser Methode ist der Gedächtnispalast . Was sich spektakulär anhört, ist im Grunde nur eine Sammlung verschiedener, fiktiver Räume, die man sich selbst erdacht hat und die man für seine Informationsrouten nutzt. Geeignet ist der Gedächtnispalast allerdings nur für Fortgeschrittene, da bereits die Erarbeitung des Palastes selbst viel Arbeit und eine gute Merkfähigkeit voraussetzt. Der Vorteil des Gedächtnispalastes ist jedoch, dass er beliebig erweiterbar ist und demnach auch für größere Datenmengen, die man sich merken möchte, genutzt werden kann.

Wie wird die Loci Methode angewendet?

Loci_Methode

Abbildung 2: © Kathrin Gogolin

Ein Anwendungsbeispiel: Man möchte Einkaufen gehen, sich aber die Notwendigkeit des Einkaufszettels ersparen. Benötigt werden folgende Dinge: Spaghetti, Erdbeeren, Äpfel, eine Melone, Orangen und Käse. Als Möglichkeit, die Loci Methode anzuwenden, dient die Körper-Route. Sechs Ankerpunkte werden festgelegt: Der Kopf, das Gesicht, die Brust, der Bauch, die Beine und die Füße. Eine Möglichkeit, die benötigten Lebensmittel mit den Ankerpunkten der Körper-Route zu verknüpfen, kann folgendermaßen aussehen:

  • Wenn man sich die Haare in dünne Strähnen flicht, hat man Spaghetti auf dem Kopf.
  • Bei einem Sonnenbrand sieht das Gesicht aus wie eine Erdbeere.
  • Das Iphone mit dem Apfel drauf trägt man in der Hemdtasche an der Brust.
  • In der Schwangerschaft sieht der Bauch aus wie eine riesige Melone.
  • Viele Frauen haben an den Beinen Orangenhaut.
  • Nach dem Tragen von dicken Schuhen haben viele Leute Käsefüße.

Wenn man sich die Verknüpfungen mithilfe von eindrücklichen Bildern visualisiert, ist es nahezu ausgeschlossen, beim Einkaufen eines dieser sechs Teile zu vergessen!

Vorteile der Mnemotechnik

Die Loci Methode hat viele Vorteile, um benötigte Informationen schnell zu lernen. Zum einen fällt die Notwendigkeit jeglicher Hilfsmittel weg. Also benötigt man keine Merkzettel mehr, die man sowieso irgendwo liegen lässt. Das einzige, was man für die Loci Methode benötigt, ist die eigene Vorstellungskraft. Zum anderen kann die Methode sehr alltagsbezogen angewandt werden: Wege, die man immer wieder geht oder fährt können zur Gedächtnisstütze werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Routen wiederverwendbar sind – wenn man sich neue Informationen merken möchte, muss man nur die vorhandenen Ankerpunkte neu belegen. Zudem hilft die Route nicht nur dabei, sich einige Dinge in bestimmter Reihenfolge zu merken, sondern die Informationen auch unabhängig voneinander abzuspeichern. Wenn man an einer Station der Route mal hängt, kann man bedenkenlos zur nächsten Station weitergehen, ohne dass die Gefahr eines Blackouts droht.

Der einzige Nachteil der Methode: Da die zur Gedächtnisunterstützung verwendeten Routen immer wieder überschrieben werden, ist die Methode nur für ein temporäres Verinnerlichen geeignet. Informationen, die langfristig gespeichert werden sollen, sollten durch eine weitere Mnemotechnik verarbeitet werden.

Weitere Mnemotechniken

Der Gedanke hinter den verschiedenen Mnemotechniken ist, dass man das Gedächtnis wie einen Muskel trainieren kann. Je mehr man für seine Gedächtnisleistung tut, desto mehr kann man sich merken. Dabei kann mit den Mnemotechniken nahezu alles erlernt werden, sogar das 10-Finger-System für die Tastatur. Neben der Loci Methode gibt es auch andere Techniken, mit denen man sich Dinge merken kann.

  • Akronyme bilden: Aus den Anfangsbuchstaben der Dinge, die man sich merken möchte, bildet man ein Kunstwort. So wäre das Kunstwort für die wichtigsten Sozialversicherungen KURA, welches für folgende Versicherungen steht: Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Auch für die Farben des Regenbogens gibt es ein Akronym, das ROGGBIV lautet und für die Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett steht.
  • Merkgedicht: Wer literarisch begabt ist, kann auch Gedichte als Merkhilfen verwendet. Dabei werden einfach die Dinge, die man sich merken möchte, in der passenden Reihenfolge im Gedicht untergebracht. Dabei gilt, je mehr sich das Gedicht reimt, desto besser kann man es sich merken.
  • Geschichtenmethode: Man kann auch eine Geschichte um die Dinge, die man sich merken will, drum herum erzählen. Je interessanter die Geschichte gestaltet ist, desto größer ist die Merkfähigkeit. Um die Geschichte so effektiv wie möglich zu gestalten, sollten möglichst viele Sinne angesprochen werden.
  • Zahlen clustern: Wenn man sich längere Zahlenfolgen merken muss, hilft es, die Zahlen zu clustern, also in Blöcke aufzuteilen. Die Zahl 24120073112 kann man sich merken, indem man sie in bereits bekannte Blöcke aufteilt: 2412 für das Datum von Weihnachten, 007 für James Bond, 3112 für das Datum von Silvester. Wer nun einen Schritt weitergehen möchte, kann diese Blöcke in einer Geschichte zusammen bauen, bspw.: An Weihnachten (2412) plant James Bond (007) erst Silvester (3112).